Profi-Wanderin Christine Thürmer: Wandern in Asien und Geheimtipp für Europa!

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Christine Thürmer im Interview: Über das Wandern in Asien und wo es in Europa noch Wander-Geheimtipps gibt!

Christine Thürmer war in Asien wandern: Japan, Taiwan, Südkorea. Eine andere Wanderkultur wollte sie erfahren und hat darüber sogar ein Buch geschrieben. Wandern an einem Atomkraftwerk? Für Christine Thürmer kein Problem. Und warum sehen asiatische Wanderer eigentlich aus wie Bankräuber? Welche Vorteile hat eigentlich das alleine wandern als Frau? Und gibt es überhaupt noch Geheimtipps in Sachen Wandern in Europa? 

Sie gilt als die meistgewanderte Frau der Welt: Über 70.000 km ist sie bereits gewandert. Wir durften Christine einige Löcher in den Bauch fragen, haben einiges an Unterschieden zwischen europäische und asiatischen Wanderern erfahren und auch sonst wusste sie die eine oder andere Anekdote zu erzählen.




Wandern in Asien: Unterwegs mit der Profi-Wanderin in Asien

Hallo Christine! Toll, dass wir von jungwandern.de dich einmal interviewen dürfen. Die üblichen Fragen, die du sonst beantworten darfst, lassen wir mal außen vor und gehen gleich in die Vollen. Du bist einige Monate in Asien wandernd unterwegs gewesen und hast darüber sogar ein Buch geschrieben. Wie bist du auf das Thema Asien gekommen?

Naja, 60.000 km bin ich vor meinem Asien-Trip ja bereits in Europa, Amerika und Australien gelaufen. Und hier war bisher alles von der westlichen Kultur geprägt. Und da kam der Wunsch auf, mal eine ganz andere Wanderkultur zu erleben.

Das scheint ja sehr gut geklappt zu haben.  In deinem aktuellen Buch „Hiking Asia“ schilderst du ja ausführlich deine Erfahrungen in puncto asiatischer Geschichte, Kulinarik, Wildzelten, Tempel- und Thermalbäderbesuche. Was sind denn die wesentlichen Unterschiede zwischen einem deutschen bzw. europäischen und einem asiatischen Wanderer?

Viele! Das erste was mir aufgefallen ist ist der gesetztliche Urlaubanspruch. In Japan und Südkorea haben die Menschen im Jahr im Schnitt 15 Tage Urlaubsanspruch. Was mich völlig umgehauen hat: Von diesen Tagen geht das meiste als Krankheitstage drauf. Das hängt damit zusammen, dass es im Krankheitsfall keine Lohnfortzahlung gibt und die Asiaten dann im Krankheitsfall ihren Urlaub nehmen. Das führt natürlich dazu, dass man dort keine Weitstreckenwanderer trifft, weil zum ausgiebigen Wandern einfach die Zeit fehlt.

Ein weiterer Unterschied ist es, je nach Land, dass ein Wanderer dort teilweise aussieht wie ein Bankräuber. Der dortige Wanderer ist auch im Wald mit Gesichts- bzw. Mundmaske unterwegs. Und weil Asiaten ihren „hellen Teint“ beibehalten wollen, tragen sie auch im Hochsommer lange Kleidung und Handschuhe.

Demütig geworden beim Wandern in Asien

Eindrücke hast du ja wirklich viele gesammelt. Was sind denn die drei nachhaltigsten Eindrücke, die dir in Erinnerung geblieben sind?

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Das sind u.a. die zahlreichen Tsunami-Gedenkstätten. Der Michinocu Coastal Trail („MCT“) wurde ja als eine Art Mahnmal errichtet. In Taiwan bin ich in das schlimmste Erdbeben seit 25 Jahren geraten. Das hat mich in meinen Grundwerten erschüttert. Auf so etwas bist du als Europäer ja nicht eingestellt. Und eine dritte Sache ist die, dass man bei der Gestaltung, Planung Ausschilderung doch sehr eurozentristisch denkt.

In Deutschland können wir von Erfahrungswerten ausgehen. Aufgrund der Gestaltung des Geländes z.B. ist es in Asien viel schwieriger, dort einen Trail zu installieren. Ich schreibe in meinem Buch auch über die erste Wanderung, die ich abgebrochen habe. Der Tokai Shizen Hado war aufgrund von umgefallenen Bäumen und Hangrutschen für mich nicht wanderbar. Das war schon ein krasser Unterschied zu europäischen Wegen.

Im Endeffekt bin ich doch sehr demütig geworden. Ich war im Glauben, nach 60.000 km die Weisheit mit Löffeln „gefressen“ zu haben. Aber da haben mich all die asiatischen Ländern eines Besseren belehrt und ich weiß jetzt, dass ich mit meinem bisherigen Wissen dort vor Ort nur relativ wenig habe in der Praxis umsetzen können.

Christine Thürmer`s Wander-Geheimtipp: Ungarn

Interessant. Du schreibst auch, dass du aufgrund von Overtourism den Besuch des Fuji-Gipfels außen vor gelassen hast. Das Gegenteil von solchen Orten sind ja häufig Geheimtipps. Was ist denn für dich das Gegenteil von einem Fuji-Besuch; was ist für dich ein Geheimtipp in Sachen wandern in Europa?

Osteuropa, ganz klar. Das wird jetzt so ein bißchen trendy, vor allem auf dem Balkon und speziell der Peak of the Balkans ist ja sehr bekannt. Wobei meine Empfehlung für eine einfache Mehrtageswanderung mit Zelten ganz klar Ungarn ist. In Ungarn ist z.B. wildzelten legal. Besonders schön ist der „Kéktúra“ durch den Norden von Ungarn. Hier führt der Weg durch ein MIttelgebirge zum Kékes, dem mit gerade einmal 1.014 m Höhe höchsten Berg Ungarns. Traumhaft schön mit vielen Auf- und Abstiegen. In Ungarn ist dieser Weg legendär und war schon vor der Wendezeit bekannt. Auf dem Weg gibt es Burgen, Schlösser und vor allem Thermalbäder.

Die kleinen Dörfer dort haben einen besonderen Charme und sind das Gegenteil von der „Wow-Stadt“ Budapest. Sie wirken ein wenig wie aus den 50er Jahren. U.a. führt die Route auch am einzigen Thermalsee der Welt, dem Hévizer See, in welchem geschwommen werden darf.

Weitere Gründe für das Wandern in Ungarn

Ungarn ist relativ preisgünstig. Und man bekommt günstig Appartements. Die Menschen sind sehr familiär eingestellt und freundlich. Auch mit Deutsch kommt man oft weiter, da die Ungarn noch deutsche Touristen aus DDR-Zeiten kennen und auf diese eingestellt ist.

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Im Vergleich zu dem wesentlich bekannteren Kungsleden in Norwegen hat der Kéktùra eine wesentlich höhere Fehlertoleranz. Wenn du am Kungsleden schlechtes Wetter hast, kannst du dich nur schwierig irgendwo draußen unterstellen. Es ist wesentlich weiter weg zum nächsten Hotel und auch viel teurer. Und du musst auch erstmal hin zum Hotel. In Ungarn gibt es eine super ÖPNV-Anbindung und findest auch überall eine günstige Ferienwohnung. Auch das Klima ist natürlich wesentlich angenehmer. Aber ähnlich ist es auch in Polen oder Rumänien.

Kommen wir wieder zum Wandern in Asien. Hier warst du ja sogar am ehemaligen Atomkraftwerk in Fukushima wandern. Wie überrascht warst du als du gehört hast, dass die dortige radioaktive Strahlung niedriger ist als die natürliche Strahlung im Schwarzwald?

Mir war wohl klar, dass die radioaktive Strahlung nicht ganz so hoch sein kann, wenn dort ein Wanderweg eröffnet wird. Aber dass sie so niedrig ist: Da war ich doch sehr überrascht. Überhaupt war der Fukushima Coastal Trail der Trail meiner Karriere, der meine Wahrnehmung von einer Region am meisten geändert hat. Aber genau das war ja auch die Idee des neu eröffneten Fukushima Coastal Trails. Dass die Region so wahrgenommen wird wie sie tatsächlich ist und nicht so, wie von den Medien dargestellt. Wobei der Weg als Wanderweg so gar nicht zu empfehlen ist, weil der Asphalt-Anteil bei 100% liegt. Aber wo kann man schon um ein Kraftwerk wandern?

Vollkommen andere Frage. Wie war denn die Schokoladen-Versorgung in Asien?

(lacht) Schlecht, ganz schlecht. Die gibt es zwar, aber maximal in 50 Gramm-Tafeln. Aber diese Mengeneinheit inhaliere ich ja normalerweise. Rückblickend jedoch ist es ganz logisch, dass es nicht so viel Schokolade gab: Es ist dort einfach viel zu heiß. Allerdings gab es entlang des Weges zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten, sodass ich mich täglich hätte mit Schokolade versorgen können.

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Viele nehmen ja von ihren Touren Erinnerungsstücke mit nach Hause. Sammelst du auf deinen Touren eigentlich auch Souvenirs?

Nein, ich bin ja ultraleicht unterwegs. Man wollte mir ja in Asien auch diverse Geschenke zu  den jeweiligen Trails mitgeben. Die konnte ich gott sei Dank bei einer befreundeten Wandererin in Asien zwischenparken. Ich tracke meine Touren auch gar nicht, was ja viele machen. Da habe ich mir die Frage gestellt „Was mache ich dann eigentlich damit?“.  Ich poste ja jeden Tag auf Social Media und aufgrunddessen fotografiere ich halt viel. Somit habe ich reichlich Fotos als Erinnerungsstücke.

Auch im Urlaub zu Fuß unterwegs

In einem aktuellen Podcast-Beitrag vom BR hast du erwähnt, dass dein jährlicher Alltag aus 6-8 Monaten wandern besteht, die restliche Zeit ist so eine Art Urlaubsphase. Wenn man so viel dort unterwegs ist, wo andere Urlaub machen: Machst du überhaupt noch Urlaub und wenn ja, wie?

Das ist eine gute Frage, die ich mir momentan auch stelle. Aktuell  war Premiere meiner neuen Show und auch die Druckabgabe des Buches „Hiking Asia“*. Dafür habe ich wirklich die Nächte durchgearbeitet. Aktuell komme ich auch wieder nicht zum urlauben, da ich ja jetzt meine ganzen Auftritte habe.

Aber der Plan ist es, eine idioteneinfache Wanderung im Baltikum zu machen. Da gibt es einen bestens im Internet beschriebenen Wanderweg, da brauche ich einfach nur pdf`s ausdrucken und nachwandern.

Im letzten Jahr bin ich auf einem Wallfahrtsweg in Polen gewandert. Da ich ein sehr gläubiger Mensch bin, hat mich dieser Pilgerweg sehr angesprochen. Vielleicht pilgere ich dort ein wenig als Alternative zum Wandern.

Welche Frage möchtest du denn gerne beantworten, die dir noch nie jemand gestellt hat?

Also was ich häufig gefragt werde ist, wie es sich anfühlt, alleine als Frau zu wandern. Ob ich da keine Angst habe. Es werden immer nur Fragen zu den Nachteilen gestellt. Aber niemand hat mir bisher die Frage gestellt, was denn eigentlich die Vorteile das Alleinewanderns als Frau sind.

Liebe Christine, was sind eigentlich die Vorteile des Alleinewanderns als Frau?

Die angebliche Schwäche der Frauen ist in Wahrheit ein Riesen-Vorteil. Frauen werden nicht als Bedrohung wahrgenommen. Vielmehr möchten die meisten Frauen gerne helfen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich beim Wildzelten als Frau weniger Ärger bekommen werde als ein Mann. Und das kannst du so weiterführen. Nach Wasser fragen,  nach dem Weg fragen. Und mit dem zunehmenden Alter wird das immer besser! Während du als älterer Mann eher als Obdachloser wahrgenommen wirst, wird Frauen im höheren Alter zunehmend Hilfe angeboten.

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Ich war mal mit einer Gruppe 60jähriger unterwegs, das war traumhaft! Auch von der Mentalität her haben Frauen eine viel höhere Erfolgquote als Männer. Gerade junge Männer auf dem Peak ihres Lebens sind es gewohnt, alles mit Kraft zu stemmen. Ausdauersport bzw. langes Wandern jedoch hat viel mit mentaler Stärke zu tun. Und da wissen Frauen doch eher zu punkten.


Wir bedanken uns bei Christine für das ausführliche und heitere Interview und wünschen viel Spaß. Sowohl beim Wandern, als auch im Pilgern im Urlaub! 


„Hiking Asia“: Das Buch von Christine Thürmer!

„Hiking Asia“* heißt das neueste Buch von Christine Thürmer ist ab sofort überhall im Handel und Internet erhältlich! Informationen zu Christine, ihrem aktuellen Programm sowie Auftrittsterminen findet ihr auf dem offiziellen Internet-Auftritt von Christine Thürmer.


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